Modernes Webdesign (und C-MD)

Das Berufsbild eines Absolventen von Communication and Multimedia Design ist im Wesentlichen das eines Vermittlers zwischen Designern, Technikern und Marketeers. Im Rahmen unseres Studiums erhalten wir Einblicke in eine Vielzahl von Gebieten: Von Print- und Screendesign über Audio-/Videoproduktion und Softwareentwicklung bis hin zu Kommunikationstheorien, Verhandlungstechniken, Journalistik, Rechnungswesen und Marketing. Und das ist nur ein Teil unseres Grundstudiums.

Dieser bunte Mix aus Kompetenzen führt bereits in den ersten Semestern zu einzelnen Spezialisierungen, damit die Vielzahl an Projekten erfolgreich gemeistert werden kann. Im Hauptstudium in Maastricht hat sich bei der Mehrzahl der Studenten zumindest eine Tendenz herausgestellt, wohin die Reise später gehen soll. Und dennoch müssen auch im Hauptstudium Fächer aus allen vier Themengebieten unseres Studiengangs belegt werden: Design, Technology, Social Use und Management.

Generalisierung als Chance

Meiner Meinung nach ist diese Generalisierung eine große Chance für C-MD-Absolventen. Abseits der persönlichen Präferenzen werden wir gezwungen, uns auch mit Themengebieten auseinanderzusetzen, die uns weniger wichtig bis komplett unwichtig sind. Und auch wenn das erlangte Wissen nach der Klausur vermeintlich verschwunden ist, so bleibt dennoch ein grundlegendes Verständnis anderer Fachrichtungen erhalten. Dieser Stärke sollten wir uns bewusst sein.

Und dennoch beobachte ich (auch an mir selbst), dass uns der nicht ganz einfache Weg durch unser interdisziplinäres Studium durch verschiedene Institutionen und Personen unnötig schwer gemacht wird. Ich will an dieser Stelle weder Namen nennen noch hemmungslos meinen Frust niederschreiben, aber die Tatsache bleibt bestehen:

  • Wie sollen wir erfolgreich interdisziplinär zusammenarbeiten, wenn einzelne Dozenten das Gegenteil vorleben?
  • Wie sollen alle Studenten unabhängig von individuellem Vorwissen in neue Themen einsteigen können, wenn die absoluten Grundlagen nicht vermittelt werden?

Modernes Webdesign

Womit ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrags kommen möchte. Denn eine dieser elementaren Grundlagen, die leider im Rahmen unseres Studiums nicht vermittelt wird, ist meiner Meinung nach HTML/CSS. Auch wenn dies auf den ersten Blick ein reines C-MD-Problem zu sein scheint: Ich beobachte dieses Phänomen auch außerhalb unserer filter bubble.

Meiner Meinung nach ist die Kenntnis von HTML und CSS ein Inbegriff von Interdisziplinarität. Die beiden grundlegenden Sprachen des WWW sind der gemeinsame Wortschatz, die Basis für fachliche Kommunikation zwischen Webdesignern und Webentwicklern. Aus diesem Grund sollten beide Seiten – nicht nur Entwickler, sondern eben auch Designer – fundierte Kenntnisse in diesem Bereich besitzen.

Und mit fundiert meine ich nicht etwa, eine HTML-Datei mit Dreamweaver oder (noch schlimmer) Fireworks zusammenzuklicken. Denn HTML und CSS sind mehr als Word oder PowerPoint. Hier geht es um Kompatibilität, Konsistenz, Performance und, ja, auch Eleganz. Diese Faktoren werden in Zeiten eines mobilen Internets, Media Queries, neuen Möglichkeiten von HTML5 und CSS3 sowie WebApps immer wichtiger.

Es genügt heute nicht mehr, ein 980px breites Screen-Design in Photoshop, Illustrator oder Fireworks zusammenzuklicken. Bitte nicht falsch verstehen: Wer diesen Workflow mag, soll das gerne tun. Ich kann gut verstehen, dass erfahrene Photoshop-Benutzer sich im Designprozess nicht durch CSS und Browserbugs einschränken lassen wollen.

Kein Blatt Papier

Jedoch muss dann der nächste Schritt definitiv heißen: Umsetzung in HTML und CSS. Und zwar sauber. Das heißt: Im Normalfall keine 980px breiten Bilder. Keine 100 div-Elemente (und selbstverständlich kein Tabellendesign). Gespür für die semantische Bedeutung von einzelnen HTML-Tags. Und nur in begründeten Fällen fixe Breiten- oder Höhenangaben. Denn das Web ist kein Blatt Papier mit festen Abmaßen. Browserfenster und Bildschirmgrößen sind äußerst flexibel, vom kleinen Smartphone bis zum neuen MacBook mit 5,1 Megapixeln.

Mir ist klar, dass die dafür nötige umfangreiche Erfahrung nicht von heute auf morgen zustande kommen kann. Aber: Wir alle haben klein angefangen. Und: HTML ist kein programmieren und ist nicht schwer! Und CSS auch nicht! Außerdem: Auch erfahrene Webdesigner und -entwickler googeln täglich HTML-Attribute oder CSS-Eigenschaften. Das ist normal und kein Grund, nach den ersten mühsamen Schritten zu kapitulieren. Auch wenn der Anfang schwer erscheint: Es lohnt sich, dranzubleiben. Und früher oder später macht es sogar Spaß.

tl;dr

Lernt HTML und CSS!

Kommentare

Lorenz

Sicherlich ist HTML und CSS nicht so anspruchsvoll wie PHP oder Ruby zu lernen. Allerdings ist es sehr schwer, wirklich semantisch korrektes HTML zu schreiben, gerade für die Programmierer, welche sich normalerweise mit viel größeren Problemen beschäftigen. Jeder Web Designer sollte jedoch auf jeden Fall HTML und CSS schreiben können, um auch zu verstehen, was möglich ist und wo die Grenzen bei der Umsetzung von Designs aus Photoshop liegen. Gerade hier ist auch ein Umdenken im Workflow angebracht, was aber ein ganz anderes Thema ist. Ich bin jedenfalls nicht ganz Deiner Meinung. Ein Studiengang, welcher C-MD heißt, muss den Studenten nicht HTML beibringen. Ich sehe da die Studenten in der Bringschuld. Jedoch muss und sollte der Studiengang die Bedeutung von HTML ganz klar herausstellen. Wenn mich C-MD eines gelehrt hat, dann, dass man seine Ziele nur selbst erreicht und man sich nicht von den Inhalten der Dozenten abhängig machen darf. Eine Möglichkeit könnte doch sein, dass Studenten, welche dieses Wissen schon besitzen, es mit anderen in Kursen außerhalb von C-MD teilen. Teilen – die Eigenschaft des Internets, welche in C-MD auch nicht erklärt, beführwortet oder angewendet wurde. Letztlich ist doch jeder selbst seines Glückes Schmied und muss sehen, was er oder sie aus dem erworbenen Wissen zieht.

Simon Praetorius

Was verstehst du denn unter „beibringen“? Wann „kann“ man eigentlich HTML? Wie du richtig sagst, soll ein Studiengang einen Anstoß geben. Wenn wir die Aufgabe erhalten, eine Website mit Fireworks zu gestalten und anschließend umzusetzen, warum lernen wir dann fast ausschließlich Fireworks? Warum nicht in der Hälfte der Zeit die Grundlagen von HTML und CSS (anstatt Dreamweaver)? In diesem Moment würden wir nämlich automatisch anfangen, vorhandenes Wissen untereinander zu teilen. Leider ist nur meine Beobachtung, dass dies ohne solchen Input fast gar nicht geschieht.

Und dass auch Programmierer Schwierigkeiten mit semantischem HTML haben können will ich gar nicht abstreiten. Das ist alles ein Lernprozess. Aber auch Programmierer sollten nicht damit zufrieden sein, was sie schon können, sondern sich weiterentwickeln. Auch dazu will ich mit diesem Text appellieren.

Lukas Hessenthaler

Find ich super geschrieben und hat mir wieder einen kleinen Denkanstoß gegeben.

Meiner meinung nach sollte man HTML&CSS nicht erst im Studium (allgemein) lernen sondern schon früher – und intensiv!
Sogar auf dem Informationstechnischen Gymnasium kommt es mir so vor als ob mein Lehrer keine Ahnung hat – wer sich nichts zuhause selbst beibringt, lernt, so empfinde Ich, zu wenig.
Trotz allem finde ich das HTML & CSS als auch PHP
wichtig und auch interessant für jeden sind, nicht nur für Webdesigner.

Wenn wir schon von Webdesign sprechen:
Kommentare kann die Google+ iPhone App absolut nicht darstellen: keine 2cm Textbreite sind vorhanden.

Lg Lukas

Patrick

In diesem einem Punkt muss ich einem Dozenten des C-MD-Studiengangs recht geben: Die grundsätzlichen Prinzipien von HTML/CSS und die Standard-Befehle lassen sich schnell aneignen. Darüberhinaus hängt es meines Erachtens vor allem vom individuellen Sinn ab, den jeder einzelne darin erkennt. HTML/CSS in einen Art Kanon für Studenten der Medien aufzunehmen, würde ich nicht vorschlagen. Dafür gibt es einfach zu viele andere Methoden und Techniken, mit denen man “Multimedia” erschaffen kann.
Viel eher für einen Kanon geeignet würde ich da schon Objektorientiertes Programmieren und im Ansatz Höhere Mathematik (1 und 2) sehen, da darin wesentlich mehr grundsätzliche Prinzipien stecken als bspw. in HTML, CSS, oder PHP. Wer in OOP und in mathematischen Grundlagen fit ist, würde ich behaupten, versteht die Prinzipien von HTML und Co. in sehr sehr kurzer Zeit. Und wie Lorenz sagte, da möchte ich beipflichten: Das, was ich v. a. aus C-MD mitgenommmen haben, dass man sich selbst kümmern muss ;)

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