Swipe back

Alle Welt diskutiert darüber, wie sich iOS und insbesondere das Interface-Design unter Jony Ive weiterentwickeln wird. Die einen wünschen sich eine Abkehr von sinnlosen skeuomorphen Elementen, die anderen einen neuen Homescreen mit Widgets, kurzum: Eine Evolution wird vielen nicht genügen.

Ich als regelmäßiger und zufriedener iOS-Nutzer wünsche mir vor allem eins: Eine weitergehende Standardisierung der seit sechs iOS-Versionen bekannten und bewährten Interaktionspatterns. Was mit Pull-to-Refresh unter iOS6 begann, sollte weiter vorangetrieben werden.

Weiterentwicklung durch 3rd-Parties

In letzter Zeit stoße ich auf immer mehr Apps, die zusätzlich zum Back-Button links oben eine Swipe-Geste von links nach rechts unterstützen. Eins der früheren Beispiele ist der Google Reader-Client Reeder, fast schon ein Urgestein auf der Plattform. Aber auch neue Entwicklungen wie der App.net-Client Riposte machen umfangreichen Gebrauch von dieser Idee. Da die Funktionsweise bereits vom Homescreen bekannt ist, liegt es aus meiner Sicht nah, diese Funktion tiefer ins Betriebssystem zu integrieren. Außerdem ist insbesondere mit dem 4”-Bildschirm des iPhone 5 das Bedürfnis gewachsen, eine Alternative zum ungünstig gelegenen Back-Button zu haben. Zumindest bei mir und meinem zu kurzen Daumen.

Jedoch hat die Idee einen Haken: Die Swipe-Geste beißt sich an einigen Stellen mit anderen Swipe-Gesten, zum Beispiel in Auflistungen. In Reeder werden Einträge mit dem Swipe als gelesen markiert, in vielen anderen Apps versteckt sich dahinter ein Shortcut zur Löschfunktion. Aktuell ist die Funktionalität also inkonsequent implementiert: In Reeder kann der Benutzer zwar via Swipe-Geste von der Artikelansicht in die Auflistung, anschließend aber nicht eine weitere Ebene höher wechseln. Das ist verwirrend und störend und sollte deshalb vermieden werden.

Vielleicht ist es Zeit, diese Shortcuts durch andere Gesten zu ersetzen, beispielsweise ein längeres Halten auf einem Eintrag, um so eine konsequente Nutzung der Swipe-Back-Funktion zu ermöglichen – wenigstens innerhalb der App. Oder aber Apple findet eine bessere Alternative zur Back-Funktionalität und kann das Problem anderweitig lösen.

Ich würde es begrüßen, wenn Jony sich dieser und ähnlicher Problematiken annehmen würde. Danach kann er sich von mir aus auch um ein lederloses Find My Friends kümmern, für mich wäre das aber eher zweitrangig.

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